Projekt: Auftakt Ankerpunkte Ost
„Ankerpunkte Ost – für eine demokratische und nachhaltige Gesellschaft im ostdeutschen ländlichen Raum“ ist das neue Projekt von Zukunftsfähiges Thüringen e.V., das bis Ende 2026 von der Barthel-Stiftung gefördert wird. Gemeinsam mit dem Landesverband Nachhaltiges Sachsen e.V. und Plattform e.V. stärken wir lokale Initiativen in ländlichen Räumen.
Am 24. September 2025 fand das Auftakttreffen aller beteiligten Organisationen im Reallabor in Leipzig statt. Auf der Agenda standen das gegenseitige Kennenlernen, ein Einblick in die regionalen Besonderheiten und ersten Visionsentwicklungen für die Ankerpunkte.
Fokus auf ländliche Räume in Ostdeutschland
Der Anteil strukturschwacher und schrumpfender Regionen ist in Ostdeutschland vergleichsweise hoch. Thüringen ist mit seiner kleinteiligen Siedlungsstruktur und einer Vielzahl an Landgemeinden und Ortsteile besonders betroffen. Aber kein Ort ist wie der andere! Ländliche Räume sind vielfältig, sie haben sich meist sehr unterschiedlich voneinander entwickelt. Diesem Umstand trägt das neue Projekt Rechnung: Über die Ankerpunkte sollen lokales Wissen und die Kenntnisse der Aktiven vor Ort zur Entwicklung und Stärkung des zivilgesellschaftlichen Engagements in der Region gebündelt werden.
Bei den Ankerpunkten handelt es sich um sechs gemeinnützige Organisationen in ländlichen Regionen in Sachsen und Thüringen, deren Funktion als dauerhafte Anlaufstellen für solidarisches, demokratisches zivilgesellschaftliches Engagement gestärkt werden soll. Zusammen mit unseren Kooperationspartner*innen entwickeln und bieten wir bedarfsorientierte Beratungs- und Qualifizierungsangebote, z.B. zu Mikroförderinstrumenten, Projektentwicklung, Interventionen oder Gesprächsmoderation.
Ankerpunkte in Thüringen:
- Stiftung Landleben: Region Seltenrain im Unstrut-Hainich-Kreis
- Ländliche Kerne e.V.: Crossen an der Elster im Saale-Holz-Landkreis
- Goals Connect e.V.: Saalburg-Ebersdorf im Saale-Orla-Kreis
Ankerpunkte in Sachsen:
- Kompetenzzentrum für Gemeinwesenarbeit und Engagement e.V.: Aue / Bad Schlema im Erzgebirgskreis
- weltbewusst e.V.: Königstein in der Sächsischen Schweiz
- Senioren Selbsthilfe e.V.: Landkreis Nordsachsen
Ländliche Räume brauchen das Ehrenamt
Genauso wie Bildung und Kultur sind Modernisierung, Digitalisierung und Inklusion auch in ländlichen Räumen relevante Handlungsfelder. Insbesondere kleinen Gemeinden fehlt es jedoch zunehmend an öffentlichen Mitteln, um dieser Arbeit nachzukommen. Zivilgesellschaftliches Engagement ist hier von besonderer Bedeutung, denn viele Angebote werden in ländlichen, strukturschwachen Regionen maßgeblich von Ehrenamtlichen organisiert und getragen.
Zum einen handelt es sich um einen wichtigen Standortfaktor, der Gemeinden attraktiv und lebenswert macht, zum anderen bringen sie die Menschen vor Ort zusammen und stärken die Gemeinschaft. Um Möglichkeiten der sozialen Teilhabe in ländlichen Räumen zu sichern und zu entwickeln, braucht es die kontinuierliche Unterstützung und Vernetzung vor Ort.
Selektive Abwanderung und demografische Schrumpfungsprozesse stellen das Ehrenamt vielerorts vor Herausforderungen. Vereine und Verbände berichten von einem Rückgang aktiver Mitglieder und fehlendem Interesse an ehrenamtlichen Mandats- bzw. Leitungspositionen, während immer mehr Arbeit auf den Schultern Einzelner lastet. Dabei liegt das Problem nicht an einer grundsätzlichen Ablehnung freiwilligen Engagements. Vielmehr fehlt zwischen Arbeit und Privatem die Zeit und Energie, sich langfristig in festen Strukturen zu engagieren. Insbesondere junge Menschen bevorzugen Studien zufolge die Mitarbeit an einzelnen, zeitlich begrenzten Projekten.
Demokratie stärken
Es ist notwendig, auf solche Herausforderungen zu reagieren und bedarfsorientierte Angebote und Strukturen zu schaffen, um weiterhin Menschen für freiwillige Arbeit begeistern zu können. Denn dort, wo demokratisch-zivilgesellschaftliche Angebote fehlen, setzen sich destruktive Bewegungen durch und bedrohen das Zusammenleben. Antidemokratische Gruppen konzentrieren sich dabei nicht nur, jedoch vermehrt und häufig auch gezielt auf ländliche Räume. Dort vereinnahmen sie örtliche Vereine und lokale Politik – ein schleichender Prozess, der langfristig zu einer steigenden Akzeptanz menschenverachtender Ideologien führt und eine Bedrohung für die Demokratie darstellen.
Mit dem Projekt Ankerpunkte Ost werden Personen und Initiativen gestärkt, die sich für Demokratie und eine nachhaltige, sozial-ökologisch gerechte Entwicklung einsetzen. Denn Demokratie wächst mit dem Vertrauen in persönliche Beziehungen und verbindende Gemeinsamkeiten.
Impressionen
-
Auftakttreffen Ankerpunkte Ost © Landesverband Nachhaltiges Sachsen e.V. -
Der Ankerpunkt Goals Connect e.V. stellt sich vor. © Landesverband Nachhaltiges Sachsen e.V. -
Die Teilnehmenden präsentieren sich gegenseitig die Ergebnisse der Gruppenarbeiten. © Landesverband Nachhaltiges Sachsen e.V. -
Eine Gruppe stellt die Ergebnisse ihrer Arbeitsphase vor. © Landesverband Nachhaltiges Sachsen e.V. -
Konzentrierte Teilnehmende bei der Vorstellung der Arbeitsergebnisse © Landesverband Nachhaltiges Sachsen e.V.